Daten sind längst mehr als ein Nebenprodukt digitaler Prozesse. Sie zeigen, welche Produkte gefragt sind, wie Kund:innen mit deinem Shop interagieren, wo Abläufe stocken und welche Entscheidungen dein Unternehmen voranbringen können. Ihr Wert entsteht jedoch erst dann, wenn berechtigte Personen sie finden, verstehen und sinnvoll nutzen können.
In diesem Beitrag erfährst du, was Datenzugänglichkeit bedeutet, wie sie sich von Datenzugang und Datenzugriff unterscheidet und warum sie besonders für E-Commerce-Unternehmen wichtig ist. Außerdem erhältst du einen Überblick über praktische Schritte, mit denen du Daten in deinem Unternehmen sicherer und besser nutzbar machst.
Was bedeutet Datenzugänglichkeit?
Datenzugänglichkeit beschreibt, wie einfach berechtigte Personen, Teams oder Systeme relevante Daten finden, verstehen, abrufen und nutzen können. Der Begriff meint nicht, dass alle Nutzer:innen jederzeit auf alle Daten zugreifen dürfen. Vielmehr geht es darum, den passenden Zugang zu den richtigen Informationen bereitzustellen – sicher, nachvollziehbar und in einer Form, die für den jeweiligen Zweck geeignet ist.
Warum Datenzugänglichkeit für E-Commerce-Unternehmen wichtig ist
E-Commerce-Unternehmen arbeiten mit besonders vielen Datenquellen. Ein einzelner Vorgang, zum Beispiel eine Bestellung, erzeugt Informationen in mehreren Systemen: im Shopsystem, beim Zahlungsanbieter, in der Warenwirtschaft, beim Versanddienst, im E-Mail-Marketing-Tool und im Kundenservice. Wenn diese Informationen nicht zusammengeführt oder verständlich aufbereitet werden, fehlt Teams der Zusammenhang.
Datenzugänglichkeit hilft dir, operative und strategische Entscheidungen auf eine bessere Grundlage zu stellen. Du erkennst schneller, welche Produkte sich gut verkaufen, welche Kampagnen profitabel sind, wo Kund:innen im Kaufprozess abspringen und welche Herausforderungen im Lager oder Support entstehen.
Das betrifft nicht nur große Unternehmen. Auch kleinere Shops profitieren davon, wenn Daten strukturiert zugänglich sind. Je früher Daten sauber organisiert werden, desto einfacher wird späteres Wachstum. Neue Verkaufskanäle, internationale Märkte, zusätzliche Anbieter:innen oder größere Produktkataloge erhöhen sonst schnell die Komplexität.
Datenzugänglichkeit unterstützt dich in mehreren Bereichen:
- bessere Entscheidungen im Marketing, Einkauf und Kundenservice
- weniger manuelle Exporte und doppelte Datenpflege
- klarere Verantwortlichkeiten für Datenquellen
- bessere Produktinformationen im Shop
- sicherer Umgang mit personenbezogenen Daten
- einfachere Prüfung von Datenzugangsansprüche
- bessere Vorbereitung auf gesetzliche Verpflichtungen
- mehr Grundlage für Innovationen und Automatisierung
Besonders wichtig ist dabei die Balance zwischen Zugang und Schutz. Daten müssen verfügbar sein, aber nicht grenzenlos offen. Ein gutes Datenkonzept legt fest, welche Personen, Systeme und Dritte welche Informationen sehen, bearbeiten oder weitergeben dürfen.
Datenzugänglichkeit, Datenzugang und Datenzugriff: die Unterschiede
Die Begriffe Datenzugänglichkeit, Datenzugang und Datenzugriff werden oft ähnlich verwendet. Für eine saubere Datenstrategie lohnt sich aber eine klare Unterscheidung.
Datenzugang beschreibt grundsätzlich die Möglichkeit, Daten zu erhalten. Das kann ein technischer Zugang zu einer Datenbank sein, ein Export aus einem Tool, eine Schnittstelle oder ein gesetzlicher Anspruch auf Herausgabe von Daten.
Datenzugriff beschreibt konkreter, wer auf bestimmte Daten zugreifen darf. Dabei geht es um Rollen, Rechte, Freigaben und Einschränkungen. Ein Marketingteam kann zum Beispiel Zugriff auf Kampagnendaten haben, aber nicht auf vollständige Zahlungsinformationen einzelner Kund:innen.
Datenzugänglichkeit geht über beides hinaus. Sie fragt nicht nur, ob Daten erreichbar sind, sondern auch, ob sie verständlich, auffindbar, aktuell und nutzbar sind. Ein Dashboard kann technisch erreichbar sein, aber trotzdem schlecht zugänglich, wenn Kennzahlen unklar benannt sind oder Quellen nicht erklärt werden.
Ein Beispiel: Dein Shop speichert Retourengründe. Wenn diese Daten nur als Freitext in Supporttickets liegen, sind sie zwar vorhanden. Wenn sie aber kategorisiert, auswertbar und mit Produktdaten verknüpft sind, werden sie zugänglich. Erst dann kann dein Team erkennen, ob bestimmte Produkte häufig wegen Größe, Qualität, Lieferzeit oder falscher Beschreibung retourniert werden.
Welche Rolle spielt der Data Act?
Der Data Act ist eine EU-Verordnung, die Regeln für den Zugang zu und die Nutzung von Daten festlegt. Er betrifft insbesondere Daten, die durch vernetzte Produkte und verbundene Dienste entstehen. Dazu können Autos, smarte Haushaltsgeräte, Maschinen, Wearables, Energiegeräte oder Industriemaschinen gehören. Die Regelung ist seit dem 12. September 2025 anwendbar.
Der Data Act soll Nutzer:innen stärken. Sie sollen unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zu Daten erhalten, die bei der Nutzung vernetzter Produkte oder verbundener Dienste erzeugt werden. Außerdem kann der Nutzer bzw. die Nutzerin verlangen, dass ein Dateninhaber bestimmte Daten an Dritte weitergibt, zum Beispiel an Reparaturdienste, Analyseanbieter:innen oder andere Dienstleister:innen.
Für E-Commerce-Unternehmen ist der Data Act aus mehreren Gründen relevant. Erstens können Shops selbst vernetzte Produkte verkaufen, etwa smarte Geräte, Fitnessprodukte, Haushaltsgeräte oder Maschinen. Zweitens nutzen viele Unternehmen digitale Dienste, Plattformen und Cloudsysteme, bei denen Datennutzung und Datenportabilität eine Rolle spielen. Drittens verändert der Data Act das allgemeine Verständnis davon, wem Daten zugänglich gemacht werden sollen und unter welchen Bedingungen.
Dabei ersetzt der Data Act nicht die DSGVO. Sobald personenbezogene Daten betroffen sind, gelten weiterhin die Datenschutz Grundverordnung und andere Datenschutzregeln. Der Data Act ergänzt diese Bestimmungen, insbesondere im Bereich industrieller und nutzungsbezogener Daten. Unternehmen müssen deshalb prüfen, ob Daten personenbezogen, nicht personenbezogen oder gemischt sind.
Wichtige Begriffe rund um den Data Act
Um Datenzugänglichkeit richtig einzuordnen, solltest du die zentralen Rollen und Begriffe kennen.
Nutzer:innen sind natürliche oder juristische Personen, die ein vernetztes Produkt besitzen, mieten, leasen oder einen verbundenen Dienst nutzen. Das können Einzelpersonen, aber auch Unternehmen sein.
Dateninhaber sind Anbieter:innen, Hersteller:innen oder andere Verantwortliche, die aufgrund ihrer technischen Rolle Zugriff auf Daten haben oder diese kontrollieren. Ein Hersteller smarter Geräte kann zum Beispiel Dateninhaber sein, wenn Produktdaten oder Dienstdaten über seine Systeme laufen.
Datenempfänger:innen sind Personen, Unternehmen oder Dritte, die Daten auf Wunsch des Nutzers oder der Nutzerin erhalten. Das kann ein Reparaturbetrieb, eine App, ein:e Analyseanbieter:in oder ein anderes Unternehmen sein.
Vernetzte Produkte sind Produkte, die Daten über ihre Nutzung, Umgebung oder Leistung erzeugen und über Internet, Funk oder andere Schnittstellen übertragen können. Dazu gehören etwa Autos, smarte Haushaltsgeräte, Sensoren, Maschinen oder medizinische Geräte.
Verbundene Dienste sind digitale Dienste, die mit einem vernetzten Produkt verbunden sind und dessen Funktion beeinflussen oder ergänzen. Beispiele sind Apps, Wartungsportale, Steuerungssoftware oder Cloud-Dienste.
Datenzugangsansprüche beschreiben Ansprüche auf Zugang, Herausgabe oder Weitergabe von Daten. Der konkrete Anspruch hängt von Rolle, Datenart, Nutzungsbedingungen und rechtlichem Kontext ab.
Welche Daten im E-Commerce besonders zugänglich sein sollten
Nicht alle Daten müssen für alle Teams gleich offen sein. Gute Datenzugänglichkeit beginnt mit Priorisierung. Besonders relevant sind Daten, die regelmäßig für Entscheidungen, Kundenerlebnisse oder gesetzliche Verpflichtungen gebraucht werden.
Produktdaten
Produktdaten umfassen Titel, Beschreibungen, Varianten, Preise, Bilder, Kategorien, Maße, Materialien, Inhaltsstoffe, Verfügbarkeiten und technische Eigenschaften. Für Shops mit vernetzten Produkten können zusätzlich Geräteinformationen, Sensorwerte, Softwarestände oder Nutzungsdaten relevant sein.
Saubere Produktdaten verbessern die Seite, auf der Kund:innen ein Produkt bewerten, vergleichen und kaufen. Gleichzeitig unterstützen sie SEO, interne Suche, Filter, Marktplatzanbindungen und Kundenservice.
Kundendaten
Kundendaten helfen dir, Bestellungen zu bearbeiten, Anfragen zu beantworten und relevante Kommunikation zu ermöglichen. Hier gelten besonders hohe Anforderungen an Datenschutz, Zugriff und Verarbeitung.
Ein Supportteam braucht meist Zugang zu Bestellstatus und bisherigen Anfragen. Es braucht aber nicht automatisch Zugriff auf vollständige Zahlungsdaten oder interne Marketingsegmente. Datenzugänglichkeit bedeutet deshalb: gezielter Zugang statt vollständiger Offenlegung.
Bestell- und Transaktionsdaten
Bestelldaten zeigen, welche Produkte verkauft, storniert oder retourniert werden. Sie helfen bei Sortimentsentscheidungen, Lagerplanung, Betrugsprävention und Finanzberichten.
Wenn diese Daten nicht gut zugänglich sind, entstehen operative Probleme. Ein Team sieht Umsatz, ein anderes Retouren, ein drittes Lieferprobleme. Erst in Verbindung entsteht ein klarer Überblick.
Marketing- und Analysedaten
Marketingdaten zeigen, welche Kanäle Besucher:innen, Leads und Umsatz bringen. Dazu gehören Kampagnendaten, Conversion-Rates, Warenkorbwerte, Kosten pro Bestellung und Wiederkaufraten.
Wichtig ist, dass alle Teams dieselben Definitionen verwenden. Sonst entstehen widersprüchliche Entscheidungen. Ein Kanal kann viele Klicks erzeugen, aber wenig Umsatz. Ein anderer bringt weniger Traffic, aber bessere Kundenbindung.
In diesem Video (auf Englisch) stellen wir dir 10 effektive Marketing-Taktiken vor:
Dienstdaten aus verbundenen Diensten
Dienstdaten entstehen, wenn digitale Dienste mit Produkten oder Plattformen verbunden sind. Bei smarten Geräten können das Nutzungsprotokolle, Wartungsdaten oder Leistungswerte sein. Bei E-Commerce-Tools können es Synchronisationsdaten, App-Logs oder Integrationsdaten sein.
Solche Daten können wertvoll sein, wenn sie helfen, Fehler zu erkennen, Services zu verbessern oder neue Angebote zu entwickeln. Gleichzeitig müssen Unternehmen prüfen, welche Bestimmungen, Nutzungsbedingungen und Datenschutzregeln gelten.
Vorteile und Herausforderungen bei der Datenzugänglichkeit
Vorteile
- Bessere Entscheidungen: Datenzugänglichkeit unterstützt bessere Entscheidungen, weil relevante Informationen schneller verfügbar sind. Statt einzelne Reports manuell zusammenzuführen, können Teams auf klare Datenquellen zugreifen. Ein Beispiel: Wenn Produktdaten, Retourengründe und Supportanfragen zusammen betrachtet werden, erkennst du schneller, ob eine Produktbeschreibung missverständlich ist. Das hilft, Inhalte zu verbessern und Retouren zu reduzieren.
- Weniger Silos: Datensilos entstehen, wenn Teams Informationen in getrennten Systemen speichern. Marketing, Einkauf, Support und Logistik arbeiten dann mit unterschiedlichen Zahlen. Datenzugänglichkeit baut solche Silos ab. Sie schafft gemeinsame Quellen, klare Definitionen und nachvollziehbare Zugriffsregeln. Das verbessert die Zusammenarbeit und reduziert Abstimmungsaufwand.
- Bessere Kundenerlebnisse: Kund:innen erwarten korrekte Informationen. Wenn ein Produkt verfügbar angezeigt wird, sollte es tatsächlich verfügbar sein. Wenn ein Paket unterwegs ist, sollte der Status stimmen. Wenn eine Frage gestellt wird, sollte der Kundenservice den Vorgang nachvollziehen können. Zugängliche Daten helfen, diese Erwartungen zu erfüllen. Sie verbinden Shop, Lager, Versand und Support.
- Mehr Innovationspotenzial: Daten sind eine Grundlage für Innovationen. Neue Services, personalisierte Empfehlungen, bessere Produktentwicklung und effizientere Prozesse entstehen oft aus gut nutzbaren Daten. Auch der Data Act verfolgt dieses Ziel. Mehr Datenzugang soll Innovationen fördern, etwa durch neue Reparatur-, Wartungs- oder Analysedienste. Besonders bei Autos, Haushaltsgeräten und Industriemaschinen können dadurch neue Geschäftsmodelle entstehen.
Herausforderungen
- Unterschiedliche Systeme und Formate: Viele Unternehmen nutzen mehrere Tools gleichzeitig. Daten liegen dann in verschiedenen Formaten, Strukturen und Qualitätsstufen vor. Eine CSV-Datei aus einem System passt nicht automatisch zu einem Export aus einem anderen. Deshalb sind einheitliche Datenstandards wichtig. Dazu gehören feste Feldnamen, klare IDs, einheitliche Datumsformate und gemeinsame Definitionen.
- Unklare Verantwortlichkeiten: Wenn niemand für eine Datenquelle verantwortlich ist, sinkt die Qualität. Produktdaten veralten, Kundendaten werden doppelt erfasst, Reports widersprechen sich. Jede wichtige Datenquelle sollte eine verantwortliche Person oder ein verantwortliches Team haben. Diese Verantwortlichen definieren Standards, prüfen Qualität und koordinieren Änderungen.
- Rechtliche Einschränkungen: Nicht jede Weitergabe von Daten ist erlaubt. Nutzungsbedingungen, Geschäftsgeheimnisse, Datenschutz, Sicherheitsanforderungen und gesetzliche Bestimmungen können Einschränkungen setzen. Der Data Act sieht unter bestimmten Voraussetzungen Datenzugang und Weitergabe von Daten vor. Gleichzeitig können Schutzinteressen relevant sein, etwa bei Sicherheit, Geschäftsgeheimnissen oder personenbezogenen Daten. Unternehmen müssen deshalb jeden Vorgang sorgfältig prüfen.
- Fehlende Datenkompetenz: Datenzugänglichkeit bringt wenig, wenn Teams Daten falsch interpretieren. Ein Dashboard ersetzt kein Verständnis für Kennzahlen. Datenkompetenz bedeutet, dass Mitarbeitende wissen, woher Daten stammen, was sie aussagen und welche Grenzen sie haben. Eine hohe Conversion-Rate kann gut sein, aber ohne Marge, Retourenquote und Kundenzufriedenheit bleibt das Bild unvollständig.
So verbesserst du Datenzugänglichkeit Schritt für Schritt
1. Erstelle einen Überblick über deine Datenquellen
Liste alle Systeme auf, in denen Daten entstehen oder verarbeitet werden. Dazu gehören Shopsystem, Warenwirtschaft, CRM, Zahlungsanbieter:innen, Versandtool, Supportsoftware, Marketingplattform, Webanalyse, Buchhaltung und Apps.
Notiere pro Quelle:
- Welche Daten entstehen dort?
- Wer nutzt diese Daten?
- Wer ist verantwortlich?
- Gibt es Schnittstellen?
- Welche Daten sind personenbezogen?
- Welche Daten müssen regelmäßig exportiert werden?
- Welche Einschränkungen gelten?
Dieser Überblick ist die Grundlage für jede weitere Verbesserung.
2. Definiere Zugriffsrechte
Lege fest, welche Personen und Teams welche Daten brauchen. Arbeite möglichst mit Rollen statt mit Einzelberechtigungen. So bleibt das System übersichtlicher.
Ein Rollenmodell kann zum Beispiel unterscheiden zwischen Support, Marketing, Operations, Finance und Geschäftsführung. Jede Rolle erhält nur den Datenzugriff, der für die jeweilige Aufgabe notwendig ist.
3. Dokumentiere wichtige Datenbegriffe
Ein internes Datenglossar hilft, Missverständnisse zu vermeiden. Darin erklärst du zentrale Begriffe wie Umsatz, Netto-Umsatz, Conversion-Rate, aktive Kund:innen, Retourenquote, Produktverfügbarkeit oder durchschnittlicher Bestellwert.
So wissen alle Teams, worauf sich eine Auswertung bezieht. Das ist besonders wichtig, wenn mehrere Tools ähnliche Kennzahlen unterschiedlich berechnen.
4. Prüfe Nutzungsbedingungen und Anbieter:innen
Wenn du Tools nutzt, solltest du prüfen, welche Nutzungsbedingungen gelten. Besonders wichtig sind Fragen zur Verwendung, Verarbeitung, Herausgabe, Datenportabilität und Weitergabe von Daten.
Achte darauf, ob der Anbieter bzw. die Anbieterin Datenexporte ermöglicht, Schnittstellen bereitstellt und klare Informationen zur Datenverarbeitung liefert. Auch Informationspflichten und technische Sicherheitsmaßnahmen sollten nachvollziehbar sein.
5. Standardisiere Formate
Daten sollten möglichst in strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Formaten bereitgestellt werden. Das erleichtert Auswertungen, Systemwechsel und Datenaustausch.
Typische Formate sind CSV, JSON oder XML. Welche Form sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Bereich ab. Wichtig ist, dass Daten nicht nur als unstrukturierte PDF-Datei oder Screenshot vorliegen, wenn sie weiterverarbeitet werden müssen.
6. Baue Qualitätsprüfungen ein
Datenqualität sollte regelmäßig kontrolliert werden. Prüfe zum Beispiel:
- fehlende Pflichtfelder
- doppelte Kundenprofile
- veraltete Produktinformationen
- auffällige Retourenwerte
- falsche Lagerbestände
- abweichende Umsatzwerte zwischen Systemen
- fehlerhafte Schnittstellen
Automatische Warnungen können helfen, Probleme früh zu erkennen.
7. Schulen Teams im Umgang mit Daten
Datenzugänglichkeit ist nicht nur eine technische Aufgabe. Teams müssen wissen, wie sie Daten lesen, einordnen und verantwortungsvoll verwenden.
Schulungen sollten erklären, welche Datenquellen verbindlich sind, wie Kennzahlen berechnet werden, welche Datenschutzregeln gelten und wann eine Behörde, Rechtsberatung oder Datenschutzverantwortliche eingebunden werden sollte.
Datenzugänglichkeit und Datenaustausch mit Dritten
Viele E-Commerce-Unternehmen arbeiten mit Dritten zusammen: Agenturen, Zahlungsdienstleister:innen, Versanddienstleister:innen, Fulfillment-Partner:innen, Marktplätzen, Analyseanbieter:innen oder App-Anbieter:innen. Dabei entsteht regelmäßig Datenaustausch.
Wichtig ist, die Weitergabe von Daten klar zu regeln. Welche Daten werden geteilt? Zu welchem Zweck? Auf welcher Rechtsgrundlage? Wie lange werden sie gespeichert? Welche Verpflichtungen hat der Datenempfänger bzw. die Datenempfängerin? Gibt es Unterauftragnehmer:innen? Wie wird der Schutz der Daten sichergestellt?
Bei personenbezogenen Daten ist zusätzlich zu prüfen, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag nötig ist oder ob ein anderer rechtlicher Rahmen gilt. Bei nicht personenbezogenen Daten können Geschäftsgeheimnisse, Vertragsregeln oder Data-Act-Bestimmungen relevant sein.
Für vernetzte Produkte kann es außerdem vorkommen, dass Nutzer:innen die Herausgabe bestimmter Daten an dritte Anbieter:innen verlangen. Unternehmen sollten dafür Prozesse definieren: Wer prüft den Anspruch? Welche Daten sind betroffen? In welchem Format werden sie bereitgestellt? Welche Sicherheitsprüfung ist notwendig?
Häufige Fehler bei Datenzugänglichkeit
Ein häufiger Fehler ist, Datenzugänglichkeit nur als IT-Thema zu betrachten. Technik ist wichtig, aber ohne Prozesse, Verantwortlichkeiten und klare Begriffe bleibt der Nutzen begrenzt.
Ein weiterer Fehler ist, Datenzugriff zu weit zu öffnen. Das kann Datenschutzrisiken erhöhen und zu unkontrollierter Verwendung führen. Ebenso problematisch ist ein zu enger Zugang, weil Teams dann wieder Schattenlisten, manuelle Exporte oder private Kopien erstellen.
Auch unklare Nutzungsbedingungen mit Anbieter:innen können später Probleme verursachen. Wenn nicht geregelt ist, wie Daten exportiert, gelöscht oder weitergegeben werden können, entstehen Abhängigkeiten.
Schließlich unterschätzen viele Unternehmen die Bedeutung von Dokumentation. Wenn niemand weiß, welche Quelle verbindlich ist, welche Art von Daten verarbeitet wird oder wer verantwortlich für eine Datenquelle ist, werden Auswertungen unsicher.
Fazit: Datenzugänglichkeit ist Grundlage für moderne Datennutzung
Datenzugänglichkeit entscheidet darüber, ob Daten im Alltag wirklich nutzbar sind. Für E-Commerce-Unternehmen ist das besonders wichtig, weil Entscheidungen in Marketing, Produktmanagement, Logistik, Support und Geschäftsführung auf verlässlichen Informationen beruhen.
Der Data Act macht zusätzlich deutlich, dass Datenzugang, Datennutzung und Weitergabe von Daten stärker reguliert und strategisch wichtiger werden. Besonders bei vernetzten Produkten, verbundenen Diensten, Autos, Haushaltsgeräten und Industriemaschinen entstehen neue Fragen zu Herausgabe, Schutz, Datenempfänger:innen und Verantwortlichkeiten.
Eine gute Datenstrategie beantwortet diese Fragen nicht erst im Einzelfall. Sie schafft klare Datenquellen, verständliche Begriffe, sichere Zugriffsrechte, dokumentierte Prozesse und geeignete Formate. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen Nutzung und Schutz.
Datenzugänglichkeit bedeutet deshalb nicht: alle Daten für alle. Sie bedeutet: die richtigen Daten für berechtigte Personen, Systeme oder Dritte – zur richtigen Zeit, im passenden Format und unter klaren Regeln.
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