Viele Entrepreneur:innen gründen ein Unternehmen mit wenig mehr als einem Traum und einem kleinen Budget. Tatsächlich erfordern einige Geschäftsmodelle nur sehr geringe Vorlaufkosten. Allerdings geben von den Unternehmen, die ihr Geschäft auf die Beine stellen und nicht überleben, mehr als ein Drittel als Grund einen Mangel an liquiden Mitteln an.
Mit diesem Beitrag wollen wir dir deshalb einen besseren Einblick in die anfallenden Kosten für die Gründung eines Unternehmens geben, damit deine Geschäftsidee auf einem soliden Fundament steht.
Was sind übliche Kosten für die Gründung eines Unternehmens?
- Gewerbeanmeldung
- Handelsregistereintrag (Notarkosten)
- Honorare (für Genehmigungen oder Buchhaltungsdienstleistungen)
- Mietkaution
- Inventar
- Branding
- Gebühren für Marketing
- Verpackungs- und Versandmaterial
- Personalkosten
- Versicherungen
Alle Kostenfaktoren im Überblick
| Kostenfaktor | Kostenpunkte im Detail |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung |
Anmeldung des Gewerbes bei der zuständigen Behörde |
| Handelsregistereintrag |
|
| Kammern |
Pflichtmitgliedschaft bei der Industrie- und Handelskammer |
| Versicherungen |
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| Steuerberater:innen |
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| Marken und Patente |
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| Makler:innen |
Provisionen für die Vermittlung von Geschäftsimmobilien |
| Recruiting |
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| Geschäftsausstattung |
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| Produktbezogene Kosten |
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| Marketingkosten |
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| Gehälter |
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Administrative Kosten für die Gründung
Den ersten Teil der Kosten machen die administrativen Kosten aus. Diese fallen aufgrund des Verwaltungsaufwands bei der Unternehmensgründung an und setzen sich wie folgt zusammen:
- Gewerbeanmeldung: Zählt dein Business als gewerbliche Tätigkeit, und das ist fast immer der Fall, musst du ein Gewerbe anmelden. Je nach Region werden dafür zwischen 20 und 60 Euro fällig.
- Handelsregistereintrag: Ein Eintrag ins Handelsregister muss nicht immer erfolgen, für Einzelunternehmen besteht z.B. keine Pflicht. Gründest du dagegen eine GmbH oder eine UG, ist die Registrierung zwingend notwendig. Welche Kosten hier auf dich zukommen, hängt vom Wert deines Unternehmens ab und kann daher schwanken. Zudem fallen hier noch Anwalts- und Notarkosten an.
- Kammern: Bei der Gründung eines Unternehmens musst du dich bei der Industrie- und Handelskammer anmelden. Die Kammern erheben jährliche Mitgliedsbeiträge, die von der Wirtschaftlichkeit und der Art deines Unternehmens abhängen. Kleinunternehmen zahlen zwischen 30 und 75 Euro, im Handelsregister eingetragene Unternehmen zwischen 150 und 300 Euro pro Jahr.
- Versicherungen: Als Unternehmer bzw. Unternehmerin solltest du in Erwägung ziehen, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Das ist zwar gesetzlich nicht für jede Rechtsform vorgeschrieben, schützt dich und deine Existenz aber im Schadensfall. Je nach Vertragskonditionen und Vermögensgegenständen schwanken die Kosten hier stark und können zwischen 160 und 1.200 Euro pro Jahr liegen.
- Steuerberater:innen: Spätestens wenn du über den Status eines Kleinunternehmens hinaus bist und/oder ein gewisses Auftragsvolumen erreichst, lohnt es sich, eine:n Steuerberater:in für deinen Jahresabschluss hinzuzuziehen. Die Steuerberatergebührenverordnung, nach der sich die Kosten richten, ist komplex, gibt dir aber zumindest einen transparenten Ermessensspielraum. Entscheidend für die genauen Kosten ist auch hier der Gegenstandswert deines Unternehmens.
- Marken und Patente: Höchstwahrscheinlich möchtest du dir langfristig die Rechte an einer Marke sichern. Dies geschieht über einen Antrag beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA). Die Grundgebühr für das Patent einer Marke beträgt 300 Euro.
Administrative Gründungskosten nach Rechtsform des Unternehmens
Die Wahl der Rechtsform hat einen erheblichen Einfluss auf die administrativen Kosten, die bei der Gründung deines Unternehmens anfallen können. Diese Unterschiede gibt es:
GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
Zusammen können die Kosten für die Gewerbeanmeldung und die Eintragung ins Handelsregister zwischen 600 und 1.400 Euro betragen. Ein ganz anderer Posten schlägt dagegen aber noch einmal deutlich stärker zu Buche: Eine GmbH-Gründung verlangt die Erbringung einer Einlage in Höhe von 25.000 Euro als Stammkapital. Erst wenn alle Gesellschafter:innen mindestens die Hälfte der Anlage, sprich 12.500 Euro, erbracht haben, kann die Eintragung ins Handelsregister erfolgen.
UG (Unternehmensgesellschaft, haftungsbeschränkt)
Auch die UG verlangt neben der Anmeldung des Gewerbes eine Eintragung ins Handelsregister. Die Kosten sind hier allerdings geringer und belaufen sich auf zwischen 300 und 800 Euro. Im Gegensatz zur GmbH wird für eine UG keine Einlage benötigt, sie lässt sich bereits ab einem Euro gründen. Die sog. Ansparpflicht sorgt jedoch dafür, dass Gesellschafter:innen 25 % ihrer Gewinne als Einlage ansparen, bis die 25.000 Euro erreicht sind und die UG in eine GmbH umfirmiert werden kann.
Einzelunternehmen und Personengesellschaften
Einzelunternehmen und Personengesellschaften kommen ohne Eintragung ins Handelsregister aus, was dir auch die Kosten für den Notar erspart. Mit diesen beiden Rechtsformen lässt sich deshalb auch schon für unter 200 Euro gründen.
Sonstige und laufende Kosten, die du berücksichtigen solltest
Die administrativen Kosten für die Gründung eines Unternehmens mit bestimmter Rechtsform lassen sich relativ genau bestimmen. Damit ist es aber längst noch nicht getan. Jedes Unternehmen hat individuelle Anforderungen an Immobilien, Geschäftsausstattung, Maschinen, Forschung und Entwicklung (FuE) und vieles mehr. Diese Positionen lassen sich nur schwer vorhersagen, weshalb wir dir an dieser Stelle nur einen groben Überblick über verschiedene Posten geben können, die du bei der Ausarbeitung deiner Geschäftsidee im Hinterkopf haben solltest:
1. Makler:innen
Auf der Suche nach einer passenden Immobilie für dein Business beauftragst du womöglich eine:n Makler:in auf Provisionsbasis. Die Höhe der Provision richtet sich in der Regel nach dem Kauf- oder Mietpreis der Immobilie.
2. Recruiting
Benötigst du direkt zum Start eigenes Personal, möchtest du das Recruiting womöglich an einen externen Dienstleister oder eine Dienstleisterin auslagern. Kommt dadurch eine Anstellung zustande, entfällt ebenfalls eine Provision. Diese kann je nach Branche und Position des bzw. der Mitarbeitenden 20 - 30 % des Jahresgehalts betragen.
3. Geschäftsausstattung
In diese Kategorie fallen alle Posten, die du für die Ausstattung deines Unternehmens benötigst, z.B.:
- Kaufpreis oder Mietkaution für die Geschäftsräume
- Einrichtungsgegenstände wie Möbel, Laptops, Telefone, Beleuchtung, Geschirr, usw.
- IT-Kosten für Einrichtung von Internet und Telefonie, Netzwerk, Server, usw.
- Verbrauchsgüter wie Druckerpapier, Stifte, Druckerpatronen, usw.
- Kauf oder Leasing von Fahrzeugen und Maschinen
4. Produktbezogene Kosten
Insbesondere wenn du dein eigenes Produkt vermarkten möchtest, fallen individuelle Kosten an. Hier sind einige davon:
- Produktentwicklung und Prototyping
- Logistik und Vertrieb
- Lizenzen und Genehmigungen
- Produkt- und Verpackungsdesign
- Retourenmanagement
5. Marketingkosten
Für die Entwicklung einer Marke und eines oder mehrerer Produkte fallen verschiedene Marketingkosten an, z.B.:
- Entwicklung eines CIs, Name, Logo, weitere Assets
- Gebrandete Geschäftsausstattung wie Briefpapier, Visitenkarten, usw.
- Erstellung einer Webseite
- Werbekosten (online, z.B. für Google Ads und/oder Meta Ads; offline, z.B. für Printwerbung, Influencer-Marketing, Affiliates, Rabattaktionen)
6. Gehälter
Sofern du nicht als Einzelunternehmen startest, musst du bei der Gründung sicherstellen, dass die Gehälter deiner Mitarbeitenden durch dein (Start-)Kapital gedeckt sind. Oft dauert es, bis junge Unternehmen wirklich rentabel sind. Gründest du in Vollzeit und nicht etwa im Zuge eines Nebenjobs, musst du dir zudem zwangsläufig ein Gesellschaftergehalt auszahlen, um von deiner Tätigkeit leben zu können.
In diesem Video (auf Englisch) zeigen wir dir, wie du ein kleines Business in 30 Tagen aufbauen kannst
So kannst du deine Gründungskosten gezielt reduzieren
Gerade in der Anfangsphase entscheidet ein bewusster Umgang mit Ausgaben darüber, wie lange dein Startkapital reicht. Viele Kostenpunkte lassen sich verschieben, verkleinern oder ganz vermeiden, ohne dass dein Vorhaben an Substanz verliert. Diese Ansatzpunkte helfen dabei, dir einen finanziellen Spielraum zu schaffen:
- Alternative Finanzierungs- und Förderangebote prüfen: Für externe Beratung müssen nicht immer eigene Mittel eingesetzt werden. Öffentliche Förderprogramme unterstützen Gründer:innen bei Coachings und fachlicher Begleitung. Auch besondere Förderinstrumente für bestimmte Ausgangssituationen können infrage kommen.
- Rechtsform realistisch bewerten: Nicht jede Geschäftsidee erfordert von Beginn an eine aufwendige Kapitalgesellschaft – in vielen Fällen reicht eine einfachere Rechtsform aus, um den Geschäftsbetrieb aufzunehmen. Auch ein schrittweiser Einstieg mit einer haftungsbeschränkten Variante kann sinnvoll sein.
- Standardisierte Gründungsunterlagen nutzen: Bei bestimmten Gesellschaftsformen ist es möglich, mit vorgegebenen Vertragsmustern zu starten. Diese reduzieren den organisatorischen Aufwand und senken Kosten im Gründungsprozess. Individuelle Regelungen lohnen sich vor allem dann, wenn sie langfristig wirklich benötigt werden.
- Flexible Geschäftsmodelle bevorzugen: Ein fester Standort ist nicht immer die beste Lösung zum Start. Temporäre Verkaufsflächen oder mobile Konzepte ermöglichen es, erste Erfahrungen zu sammeln, ohne sich langfristig zu binden oder hohe Fixkosten einzugehen.
- Arbeitsräume bedarfsgerecht wählen: Vielleicht ist ein eigenes Büro nicht zwingend erforderlich – geteilte Arbeitsplätze oder das Arbeiten von zu Hause aus können den Start erleichtern und laufende Ausgaben deutlich senken, insbesondere in der frühen Phase.
- Ausstattung kostenbewusst beschaffen: Technik und Mobiliar müssen nicht neu sein. Gebrauchte oder generalüberholte Geräte erfüllen oft denselben Zweck und belasten das Budget weniger. Größere Anschaffungen lassen sich zudem langfristig planen.
- Eigenleistung statt externer Dienstleister:innen: Nicht alle Arbeiten müssen vergeben werden. Einfache Renovierungs- oder Gestaltungsaufgaben können häufig selbst übernommen werden und reduzieren zusätzliche Ausgaben.
- Alternativen zur klassischen Mietkaution nutzen: Wenn hohe Sicherheitsleistungen für Geschäftsräume anfallen, kann eine Absicherung über spezialisierte Versicherungsmodelle eine liquiditätsschonende Lösung sein.
Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?
Persönliche Ersparnisse
Hast du Ersparnisse aus früheren Jobs, Geschäften oder Hausverkäufen? Ersparnisse sind der beliebteste Weg, um die Finanzierung für ein neues Unternehmen zu sichern.
Finanzielle Unterstützung durch Freunde und Familie
Wenn du das Glück hast, Freunde und Familie zu haben, die dein neues Unternehmen unterstützen wollen, nimm von ihnen einen Kredit auf, um die Ausgaben des ersten Jahres zu decken.
Persönliche Darlehen
Banken bieten Kredite für Kleinunternehmen an, um Unternehmer:innen bei der Gründung eines eigenen Unternehmens zu helfen. Bedenke jedoch, dass du persönlich haftest, wenn du das Bankdarlehen aus irgendeinem Grund nicht zurückzahlen kannst.
Barkredit für Händler:innen
Mit dieser Art von Geschäftskredit kannst du dir eine Anschubfinanzierung sichern, die du als Prozentsatz des Umsatzes zurückzahlen musst.
Crowdfunding
Crowdfunding ist eine Möglichkeit, einen großen Geldbetrag von einer großen Zahl von Menschen zu beschaffen. Plattformen wie Kickstarter, Wefunder und Indiegogo helfen dir, Geld von Investor:innen zu beschaffen, ohne dass du den Kredit zurückzahlen musst. Crowdfunding ist jedoch ein komplexer und zeitaufwendiger Prozess. Es kann Monate dauern, bis eine erfolgreiche Kampagne gestartet ist.
Lesetipp: Die Begriffe Business Angel, Inkubatoren und Venture Capital sagen dir nichts? Dann empfehlen wir dir diesen Artikel, in dem wir dir zeigen, wie du Investor:innen finden und so weitere Möglichkeiten für die Finanzierung deines Unternehmens erschließen kannst.
Fazit: Kalkuliere realistische Gründungskosten ein
Die Gründung eines Unternehmens im Jahr 2025 ist ohne Zweifel mit einer Vielzahl von Kosten verbunden, die sich je nach Branche und Geschäftsmodell erheblich unterscheiden können. Die durchschnittlichen Ausgaben für ein Unternehmen im ersten Jahr belaufen sich auf Beträge zwischen 21.000 und 98.000 Euro, wobei Produktkosten, Betriebskosten und Personalkosten die größten Posten darstellen.
Du solltest die Anfangskosten realistisch einschätzen und eine Anlaufzeit von 18 bis 24 Monaten einplanen, um dein Unternehmen stabil aufzubauen und auf dem Markt Fuß zu fassen. Betrachte die anfänglichen Herausforderungen und Investitionen als notwendige Schritte – so kannst du die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen schaffen.





